Kontextsendung SRF 2: Menschenrechte, eingesperrt

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Eine spannende Recherche der SRF 2 Sendung «Kontext» von Anna Jungen.

Schon vor 14 Monaten sind in Calais die Bagger über die improvisierte Zeltstadt gefahren. Das Flüchlingscamp wird auch «Dschungel von Calais» genannt.

Auch heute noch leben rund 700 Geflüchtete vor Ort. Sie leben draussen, schlafen unter freiem Himmel oder unter den Brücken. Sie fürchten sich ständig von der französischen Militärpolizei.

Hier nachzuhören: https://www.srf.ch/sendungen/kontext/menschenrechte-eingesperrt

 

Romerotag 2018: Solidarität neu buchstabieren

Unsere Gesellschaft braucht solidarisches Handeln, auf lokaler wie auch auf globaler Ebene, um Armut und Unterdrückung zu überwinden.

Die Lateinamerika-Solidarität der 80er-Jahre war in Europa und auch in der Schweiz gross. Doch heute scheint die Zeit von grosser Solidarität mit emanzipatorischen sozialen und politischen Prozessen vorbei zu sein. Ist dem so? Welche Solidaritätsformen gibt es heute und wie könnten diese gestärkt und vernetzt werden?

Nehmen sie teil am Romerotag 2018 in Luzern:

Samstag, 24. März 2018, 09.00-13.30 Uhr
RomeroHaus Luzern
Eintritt inkl. Frühstück Fr. 50.- / 35.-
Anmeldung bis 19. März.

 

Zusätzliche Informationen hier auf dem Flyer:

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Tod den Lokalnachrichten

Hat es Ihnen gerade wieder einmal die Billag-Gebührenrechnung ins Haus geschneit und haben Sie sich gefragt, ob Sie dieses Geld nicht lieber an Amnesty spenden oder in private Weiterbildungen investieren möchten, wie es im Argumentarium der No-Billag-Initiative zu lesen steht?

Die Initianten der No-Billag-Initiative schreiben das Recht auf Selbstbestimmung gross, es geht ihnen darum, dass die Medien ihre Rolle als „vierte Gewalt“ wahrnehmen können, um uns mit unabhängigen Informationen zu versorgen.

Was so gut klingt hat doch sicherlich einen zweiten Blick verdient. Denn ob unabhängige Medien tatsächlich damit realisiert werden können, dass man der SRG die Gebühren streicht und dem Bund verbietet, Radio- und Fernsehsender in irgendeiner Form finanziell zu unterstützen, darf kritisch hinterfragt werden.

Kann man wirklich von unabhängigen Medien sprechen, wenn ihre Möglichkeit uns mit guten, unabhängigen Nachrichten zu versorgen, davon abhängt, ob sie sich mittels Werbung finanzieren lassen? Werden wir nicht vielleicht einseitig informiert werden, zugunsten einer schönen Spende?

Wie es die Botschaft des Bundesrates so schön sagt, ist die erstmalige Herstellung eines Medienproduktes mit hohen Fixkosten und aufgrund der unsicheren Nachfrage mit einem grossen finanziellen Risiko verbunden.

Dieses Risiko lässt sich minimieren, indem man auf sogenannte General-Interest-Themen setzt, welche eine möglichst grosse Zahl an Zuschauern erreichen, die sprachlichen Minderheiten in unserem Land und Menschen mit einer Hörbehinderung haben das Nachsehen.

Heute wird dies kompensiert, indem zwar ein Grossteil der Gebühreneinnahmen in der Deutschschweiz eingenommen wird, ein verhältnismässig grosser Teil davon aber zum Beispiel in die italienisch sprachige Schweiz fliesst.

Die Schweiz lebt von ihrer Solidarität. Bestes Beispiel dafür sind unsere Krankenkassen und die AHV. Man bezahlt für andere mit und wird dafür selbst auch mitfinanziert. Ganz ähnlich funktioniert es auch mit den Billag-Gebühren, anders wären Qualitätsfernsehen in den kleineren Sprachregionen, Regionaljournale oder Angebote für Menschen mit einer Hörbehinderung nicht zu finanzieren.

Bei einer Annahme der Initiative würde nur noch produziert, was auch rentiert, wir würden uns weg von einer Programmvielfalt, hin zu einem Mainstream-Fernsehen bewegen, welches die Interessen privater Geldgeber und ausländischer Konzerne vertritt.

Am Ende geht es nicht um einen fairen Wettbewerb, sondern um unser Recht auf Informationen. Auf unabhängige, gut recherchierte und regional angepasste Informationen, welche essenziell sind für das Funktionieren unserer direkten Demokratie.

Stellungnahme von Amnesty International.

Briefmarathon 2017 „I’m here“

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Dieses Jahr wird der traditionelle Briefmarathon von Amnesty International durch eine Online-Kampagne verstärkt, um den eingesperrten MenschenrechtsverteidigerInnen und ihren Regierungen zu zeigen: «Ich bin da».

Der Briefmarathon von Amnesty International ist die grösste weltweite Brief-Aktion für die Menschenrechte. Jedes Jahr fordern Millionen von Menschen auf der ganzen Welt von Regierungen, Gewissensgefangene frei zu lassen und die Verletzungen ihrer Rechte einzustellen.

Die Schweizer Sektion von Amnesty International hat ein neues Kampagnenmittel ins Leben gerufen, um auch online Solidarität zu bekunden. Es handelt sich um die Plattform «I’M HERE». Alle, die mitmachen möchten, können ein Foto von sich hochladen. Alle Selfies zusammen werden anonymisiert ein riesiges Mosaik bilden, das Amnesty der unterstützten Person und ihrer Regierung schickt.

«Für sich allein hat ein Klick oder ein Selfie nicht viel Gewicht. Aber millionenfach multipliziert werden unsere Nachrichten wie eine Lawine wirken, welche die Staaten nicht mehr ignorieren können», erklärt David Cornut, der für die Kampagne in der Schweizer Sektion von Amnesty International verantwortlich ist.

Filmvorführung „Willkommen in der Schweiz“ vom 22.10.2017 in Anwesenheit der Regisseurin

Seti dem 19.10.2017 läuft der Film „Willkommen in der Schweiz“ in den Schweizer Kinos. Am 22.10.2017 war Sabine Gisiger, die Regisseurin des Films, an der Filmvorführung im Bourbaki Kino Luzern anwesend. Insgesamt wird sie an 16 Orten an 15 Filmvorstellungen teilnehmen. Mitorganisiert wurde dies von Amnesty International.

Im Mittelpunkt des Films steht die Gemeinde Oberwil-Lieli. Andreas Glarner, Gemeindepräsident der reichen Aargauer Gemeinde, will ein Exempel statuieren und weigert sich, in seinem Dorf 10 Flüchtlinge aufzunehmen. Johanna Gündel, Studentin und Tochter eines lokalen Gemüsebauern, organisiert mit der IG Solidarität den Widerstand gegen diese Nein-Politik. Die Grüne Regierungsrätin Susanne Hochuli, die für die Unterbringung der Asylsuchenden im Kanton Aargau zuständig ist, befürchtet, dass uns Ängste und ideologische Debatten davon abhalten, kluge Lösungen zu finden.

Ausgehend von den Ereignissen in Oberwil-Lieli erzählt der Film der Regisseurin Sabine Gisiger gleichnishaft von der Schweiz in Zeiten der sogenannten Flüchtlingskrise.

Ohne Kommentar der Regisseurin werden im Film die besten Argumente der beiden Seiten aufgezeigt. Dabei wird nichts unterschlagen.
Im Anschluss an den Film hat jemand im Publikum die Frage gestellt, ob es Sinn macht zum Beispiel an einer SVP Delegiertenversammlung mitzudiskutieren, um etwas zu bewegen. Sabine Gisiger hat empfohlen, Diskussionen mit Gleichgesinnten zu führen, weil einem dies persönlich stärkt. Etwas bewirken könne man zudem in Gesprächen mit Menschen, die ihre eigene Meinung noch nicht gemacht haben. Sie selber haben die SVP Delegiertenversammlungen sehr mitgenommen. Ihr Fazit: Integration braucht das Engagement von uns allen. Der Staat allein kann dies nicht selber leisten.

Tanz mit und für Flüchtlinge am 17.11.17

♥♥♥ BongDaCity geht in die dritte Runde. Welcome Nekane! ♥♥♥

Du willst feiern und was Gutes tun. Dann komm vorbei. Tanz mit und für Flüchtlinge im Treibhaus.

Gleichzeitig feiern wir, dass Nekane frei ist. Unsere Organisation freut sich, Nekane in Luzern willkommen zu heissen!

Ab 19:00 Uhr gibt es für alle afghanisches und syrisches Essen. Die Party startet anschliessend um 22:00 Uhr.

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Eintritt: 15.-
Einnahmen gehen an Education for Integration.
Das Projekt Education for Integration bietet im Asylzentrum Rothenburg Deutschkurse an. Momentan ist das Durchführen von Deutschkursen in weiteren Asylzentren in Planung. Weiter werden mit Asylsuchenden Aktivitäten wie zb. Sportveranstaltungen durchgeführt und ihnen Deutschbücher, Sportmaterial und auch Musikinstrumente zur Verfügung gestellt.
Bist du auch interessiert Deutschkurse zu geben? Dann melde dich als Freiwilliger bei educationforintegration@gmail.com.
https://educationforintegration.wordpress.com/
https://www.facebook.com/EducatiotasAkey/?ref=br_rs

Hangover-Jam mischt nun schon seit acht Jahren in der lokalen Zürcher Musikszene mit. Ihre Musik verbindet Elemente aus Reggae, Rock und Pop zu einem eigenen Sound. Die Band lebt vor allem auf der Bühne. Während ihren Shows ist vieles möglich, eine spontane Verlängerung eines Liedes führt zu improvisierten Sprachgesänge, ein Typ aus dem Publikum steht plötzlich auf der Bühne und rappt auf Französisch, ein Lied entsteht spontan auf eine völlig neue Art.

https://www.facebook.com/pg/HangoverJam/about/?ref=page_internal

Ruedi3000: Ein Drama um Freiheit und Kontrollverlust kondensiert am kühlen Sixpack Tell-Bier, handelt von subversiven Gesprächen in nassen Wiesen, wird erzählt von lallenden Zungen vor Luxustempeln. Nach 2 Jahren Bandgeschichte tragen Ruedi3000, Toni Tell und Alfons Chöbel ihren Strassenpunk und ihre Liebe für Tell-Bier auch in das Treibhaus. Freunde des Abriss-Punks kommen hier auf die Kosten, wobei bei den drei Herren nie ganz klar ist, ob ihr Sound schon Agitation oder reine Feierei ist.
https://www.facebook.com/saufenperron14/?fref=ts

Last but not least könnt ihr zu den DJs Leila Moon und Prof. Anemelos das Tanzbein schwingen lassen.

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19:00 Uhr: Essen
22:00 Uhr: Hangover-Jam
23:00 Uhr: Ruedi3000 und die Einkaufstüten
01:00 Uhr: Afterparty mit Leila Moon und Prof. Anemelos

Amnesty International meets Reformierte Kirche Stans

Was als ein Versuch des gegenseitigen Kennenlernens und der Begegnung geplant war, wurde zu einem schönen Erfolg: Die reformierte Pfarrerin Silke Petermann-von Grünigen in Stans öffnete am Sonntag 8. Oktober 2017 um 10.00 Uhr weit „ihre“ Kirchentüre, nachdem wir sie anfragt hatten, ob Amnesty International im Rahmen eines Gottesdienstes zum Thema Menschenrechte mitwirken dürfe.

Zufällig sollte im Rahmen des Gottesdienstes auch ein kleiner Bub getauft werden. Wir zählten an die 40 Besucherinnen und Besucher, die sich nach einer wunderschönen Tauffeier gerne als Einführung zum Thema über die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 informieren liessen.

IMG-20171002-WA0007Silke Petermann-von Grünigen nahm danach die Seligpreisungen im Matthäusevangelium, Kapitel 5 zum Anlass für eine aufrüttelnde Predigt und schloss mit dem ungewöhnlichen Eingeständnis, welches hier aus dem Gedächtnis zitiert sei: „Oft wird man/frau für dumm gehalten, wenn wir an Gerechtigkeit glauben, uns danach sehnen und uns für sie einsetzen – nun, dafür ich bin gerne dumm!“

Fürbitten schlossen sich an die Predigt an: Für Frauen und Männer, die ohne Anklage und ohne einen fairen Prozess gefangen gehalten werden. Für das Wachpersonal und die Soldatinnen und Soldaten (… dass sie ihre eigene Frustration und ihre Sinnkrisen nicht in aggressiver Form an den Gefangenen auslassen.) Für Menschen aus anderen Kulturen, für Fremde und ausgegrenzte Geflüchtete. Für populistische Politikerinnen und Politiker überall auf dieser Welt. Für uns alle.

Die ausgewählten Lieder griffen unser Anliegen „Menschenrechte – ein christliches Thema“ musikalisch auf. Ursula Sulzer-Scherrer begleitete einfühlsam an der Orgel.

Die Kollekte ging – was schon zu Jahresbeginn im Pfarrkonvent und im Kirchenrat beschlossen worden war–  an die Organisation „ACAT-Schweiz – Für eine Welt frei von Folter und Todesstrafe“.

Alles in allem lebte der Gottesdienst von einer sehr freundlichen Atmosphäre und einer eindringlichen Botschaft. Das im Anschluss an den Gottesdienst angebotene Kirchencafé gab uns Gelegenheit, die Gäste auf aktuelle Flyer und Informationsbroschüren von Amnesty International hinzuweisen und sie auf die Dublin-Petition hin anzusprechen: 15 Personen gaben selbstverständlich ihre Unterschrift. Drei Gäste kauften eine Kerze, eine vierte wurde dem kleinen Täufling geschenkt – und die Eltern freuten sich sehr.

Es war der erste, aber nicht der letzte Anlass von Amnesty International in der Reformierten Kirche Stans: Silke Petermann-von Grünigen hat uns eingeladen, am Samstag, 9. Dezember 2017, abends um 18.00 Uhr, nach unserer Aktion „Friedenstübeli“ in Luzern, bei einer Andacht mitzuwirken.

Danke an alle Beteiligten!

Für die Gruppe Amnesty International Luzern: Anette Lippeck

Dublin-Appell: Verletzliche Flüchtlinge schützen

Die Schweizer Asylbehörden trennen Familien, reissen Kinder aus ihrer Schulklasse und unterbrechen die Behandlung von Kranken, damit ein anderes Land ihre Asylgesuche behandelt. Fordern Sie den Bundesrat und die Kantonsregierungen auf, die strikte Anwendung der Dublin-Verordnung nicht länger vor die Menschenrechte der Flüchtlinge zu stellen!

Hier finden Sie zusätzliche Informationen swoe die Möglichkeit den Appell online zu unterzeichnen.

Unter diesem Link können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen, ausdrucken und in Ihrem Bekanntenkreis weitere Unterschriften sammeln. Herzlichen Dank für Ihren Einsatz für die Menschenrechte.

Die Dublin-Verordnung umfasst ausdrücklich eine spezielle Klausel: Jeder Mitgliedstaat hat die Freiheit, ein eingereichtes Asylgesuch aus humanitären Gründen und in Härtefällen selber zu behandeln – auch dann, wenn nach Dublin-Kriterien ein anderes Land zuständig wäre.

Die Schweiz muss diesen humanitären Spielraum vermehrt nutzen und Asylgesuche, von Personen, die aus einem anderen europäischen Land in die Schweiz eingereist sind, selber behandeln, wenn:

  • es sich um Familien / Alleinerziehende mit Kleinkindern oder Kindern im Schulalter handelt,
  • medizinische Probleme eine regelmässige Behandlung erfordern,
  • die Betroffenen in der Schweiz wohnhafte Familienangehörige haben,
  • andere aussergewöhnliche Umstände und humanitäre Gründe vorliegen.

Es geht dabei nicht allein um die Menschenrechte von Flüchtlingen und um den Schutz besonders verletzlicher Personen, sondern auch um Solidarität mit Ländern wie Italien, die an den Aussengrenzen Europas liegen und aufgrund dessen mit viel mehr Asylgesuchen als die Schweiz konfroniert sind.

Gerechtigkeit nicht in Aristoteles, sondern Erdogans Staat

Ibrahim aus unserer Gruppe hat folgenden Text geschrieben:

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Es gab früher in Grossbritannien eine Tradition. Wenn einnormaler Bürger starb, klingelte die Kirchenglocke einmal, wenn es sich um Adlige handelte, zweimal, wenn es sich um jemand aus der Königsfamilie handelte, dreimal und wenn es sich um den König selbst handelte, klingelte die Kirchenglocke viermal. An einem Tag wurde eine Person von einem Gericht ungerecht verurteilt, daraufhin klingelte die Kirchenglocke fünfmal. Die Menschen sind neugierig zum Pfarrer gegangen und haben gefragt, wer diese Person sei, die wichtiger als der König ist? Der Pfarrer antwortete: „Es gibt etwas, was wichtiger als der König ist. Die Gerechtigkeit, die stirbt.“

Wenn ich zurzeit die Zeitungen aus der Türkei lese, wo die Partei der Gerechtigkeit (AKP) an der Macht ist, sehe ich, dass oft von Gerechtigkeit (Adalet) die Rede ist. Aktivitäten für Gerechtigkeit werden sowohl von Oppositionellen als auch von Aktivist/innen organisiert. Deswegen machte ich mir Gedanken, warum der Begriff den Alltag so stark prägt, obwohl so viele andere Probleme existieren. Ich denke, so wie der Pfarrer gesagt hat, ist die Gerechtigkeit entweder tot oder sie liegt im Sterben. Weil wir schon beim Thema Gerechtigkeit sind, wollte ich kurz schauen, was Aristoteles darüber denkt. Er meint, dass die Gerechtigkeit die ganze und vollkommene Tugend sei, dass sie alle Einzeltugenden umfasse und in der Befolgung der Gesetze bestehe. Im Vergleich zu Platon sieht er Gerechtigkeit nicht als etwas Abstraktes, sondern etwas Erreichbares und Menschliches an. Er geht davon aus, dass die Menschen fähig seien, zwischen gerecht sein und ungerecht sein zu unterscheiden. Seiner Meinung nach heisst ungerecht sein gesetzwidrig, unersättlich und ungleich sein. Und wer sich an die Gesetze nicht hält und immer mehr haben möchte, verursache selbst Ungerechtigkeit (Wikipedia).

Während ich die Erklärung von Aristoteles las, dachte ich mir, wenn die Gesetze bestimmen, ob jemand gerecht oder ungerecht ist, dann können die Regierungen Gesetze so anpassen, damit sie kein schlechtes Gewissen haben, weil sie Ungerechtigkeit verursacht haben. Was machen wir nun, wenn die Gesetzgeber selber ungerechte Gesetze schreiben oder sie ungerecht interpretieren? Es tut mir leid lieber Aristoteles, aber leider sind nicht alle Gesetze gerecht und menschlich und ich glaube nicht, dass alle Staaten mit deiner Definition einverstanden sind – Erdogans Staat sowieso nicht.

Das Land ist weltweit das grösste Gefängnis für Journalisten, Politiker/innen, Menschenrechtenaktivisten/innen geworden. Wenn man die Gerichtsprozesse beobachtet, ähneln sie einer Tragikomödie. Aber Erdogan glaubt, dass all diese Menschen in den Gefängnissen und im Exil ungerecht gehandelt haben. Es wird somit deutlich, dass er ein anderes Verständnis von Gerechtigkeit besitzt. Der Chef der „Partei der Gerechtigkeit“ hat das grösste Gerichtsgebäude in Istanbul gebaut, welches ironischerweise „Gerechtigskeitschloss“ heisst, damit die Gerechtigkeit im Land herrschen kann.  In jedem Gerichtssaal hängt zudem folgender Spruch von Atatürk/Ömer: „Die Gerechtigkeit ist das Fundament des Staates “.

Die Gerechtigkeit war in der Türkei immer ein Thema, aber tragisch ist, dass sie von jedem Akteur zu seinen Gunsten interpretiert wird und er nicht davor zurückschreckt, diese auf Kosten der Menschenrechte durchzusetzen. Jetzt will der Staatschef Erdogan nicht nur die Todesstrafe wiedereinführen, sondern auch einheitliche Kleider für die politischen Gefangenen, die er als Terroristen ansieht – diese Bilder erinnern uns an die Gefangenen in Guantanamo mit ihrer orangenen Kleidung.

Lieber Aristoteles, jeder Mensch verdient, gerecht behandelt zu werden – sogar Erdogan, der wegen eines Gedichtes für zwei Monate im Gefängnis war und für dessen Freilassung sich damals Amnesty eingesetzt hat.

Solange die Menschen für Gerechtigkeit für alle und die Einhaltung der Menschenrechte kämpfen, ist die Hoffnung noch nicht gestorben, dass einmal die Gerechtigkeit in eine moderne und offene Türkei Einzug halten wird. Den Preis für diesen Kampf kennen wir als Menschenrechtaktivist/innen allerdings.

Ibrahim Akoezel-Bussmann

Aktionswoche Asyl: Integration auf der Bühne mit dem FutStep Theater

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Am Samstag 1. Juli 2017, im Rahmen der Aktionswoche Asyl, um 17:00 – 17:45 Uhr in der Sommer Box vor dem Theater Luzern, präsentiert das FutStep Theater ihr neues Stück über «Angst». Die Amnesty International Gruppe Luzern freut sich auf die interkulturelle Theatergruppe und zahlreiches erscheinen.

Angst vor dem Fremden, Angst vor der Verantwortung, Angst vor der Dunkelheit…

Jeder Mensch hat Ängste. Doch diese sind oft nicht real. Sie sind ein Produkt unser eigenen Gedanken. Gefahr ist aber real und bringt Menschen dazu ihr zu Hause zu verlassen und zu fliehen. Zu fliehen in ein anderes Land, mit anderen Menschen, mit anderen Ängsten.

Angst vor den Fremden anderen Menschen, Angst vor der Veränderung, Angst vor dem was vielleicht kommen mag. Doch alle diese Ängste beruhen auf Gegenseitigkeit.

Impressionen von vergangenen Vorstellungen:


Zum Facebook-Event geht es hier lang: 

https://www.facebook.com/events/1503776926319965