Immerhin

Mit Strassenkreide hat jemand „respect existence or expect resistance“ auf den Boden geschrieben. Dazwischen spielen Kinder, rund herum steht ein bunt gemischtes Publikum von jung bis alt und lauscht unter der überraschend heissen März-Sonne gebannt den Ausführungen einer jungen Aktivistin, welche von ihren Erlebnissen beim Besuch von vier von insgesamt sechs unterirdischen Asylunterkünften – gemeinhin auch Bunker genannt – im Kanton Luzern berichtet.

Im März fanden in der ganzen Schweiz Kundgebungen gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in Zivilschutzanlagen statt. Diejenige in Luzern habe ich besucht.

Gut 500 Menschen* hausen alleine im Kanton Luzern unter diesen Bedingungen, in Räumen ohne Tageslicht, ohne Privatsphäre, ohne Frischluft und mit nur stark limitierten Ausgehmöglichkeiten, welche eine Integration verunmöglichen.                                 Bunker wurden gebaut, um Menschen zu verstecken, und genau das wird hier auch gemacht, obgleich nicht zu ihrem Schutz. Hier werden Menschen auf ihre Grundbedürfnisse reduziert, zu Menschen zweiter Klasse gemacht!

Immerhin müssen sie dankbar sein, heisst es immer wieder. Dankbar, es bis in die Schweiz geschafft zu haben und sich nun im Verfahren zu befinden. Dankbar, dem Krieg, der Angst und dem Terror entkommen zu sein. Immerhin gehe es ihnen hier besser als anderswo, immerhin hätten sie ein Dach über dem Kopf, eine Dusche, ein Bett.

Doch rechtfertigt das die Unterbringung unter der Erde?                                             Natürlich ist es besser als in einem Zelt zu wohnen, immerhin. Aber ein Leben unter der Erde kann auf Dauer nicht gesund sein.

Und ist es nicht gemeckert auf hohem Niveau, wenn man die Situation der Asylsuchenden in der Schweiz mit derjenigen in anderen Ländern vergleicht?                                          Wir befinden uns in einem vergleichsweise reichen Land, die Schweiz hat die Ressourcen, ein Vielfaches des aktuellen Flüchtlingskontingents aufzunehmen – auch über der Erde.  So stehen Bürogebäude der Fläche von 300 Fussballfeldern leer und gemäss Bundesamt für Statistik stieg die Zahl der leer stehenden Wohnungen in den letzten Jahren kontinuierlich an.                                                                                                                In der Schweiz gibt es genug Wohnraum, genug leer stehende Gebäude um auch diesen Menschen ein Leben über der Erde, ein menschenwürdiges Leben und ein Minimum an Respekt zu bieten.

(*) sämtliche Inhalte stammen von der Kundgebung und nicht aus Quellen von Amnesty.

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