Todesstrafe

4513_DP_Stats_Top5_05

Ein Text von Lothar aus unserer Gruppe:

Während die Todesstrafe weltweit seit 1945 in immer weniger Staaten praktiziert wird, scheint es gerade in den noch immer praktizierenden Staaten eine Gegenbewegung zu geben. So war gerade erst im veröffentlichten Amnesty International Jahresbericht zu lesen, dass die Zahl der registrierten Hinrichtungen zwar von 2015 auf 2016 von 1634 auf 1032 sank. Trotzdem werden wieder deutlich mehr Todesurteile ausgesprochen. 2015 waren es 1998, im Jahr 2016 aber wieder 3117. Der Anstieg geht nun vor allem von einigen afrikanischen Staaten wie Nigeria, Kamerun, Somalia oder Sambia aus. Iran, Irak, Saudi-Arabien und Pakistan vollzogen 2016 die meisten registrierten Hinrichtungen – wobei diese in Pakistan erst 2014 erneut eingeführt worden ist. Die meisten vollstreckten Todesurteile werden zur Zeit aber wahrscheinlich in Asien ausgeübt werden. Verschiedene Schätzungen gehen bei China in die tausende pro Jahr, auch Vietnam wird hier immer wieder kritisiert. Verlässliche Zahlen aus China oder Vietnam gibt es nicht. Öffentlichkeit, aber auch Angehörige bleiben oft bewusst uninformiert. Als einzigstes europäisches Land hält die weissrussische Diktatur ebenfalls daran fest.

Von den praktizierenden Ländern werden die Abschaffung der Todesstrafe, wie auch die Menschenrechte im allgemeinen, gerade von autoritären Regimen zunehmend als rein westliche bzw. europäische Sichtweise interpretiert und darum dann als illegitime Einmischung in die Souverainität oder Bevormundung dargestellt. Mit bewusster medienwirksamer Provokation wird das Thema so aber auch politisch zur eigenen Abkapselung verkauft, da Hinrichtungen heutzutage in Europa weitgehend als fast mittelalterlich-barbarisches Instrument gelten.

Die Todesstrafe wird begründet mit ihrer generell abschreckenden Wirkung, welche heute sehr angezweifelt wird – oder aber auch der Schwere einer begangenen Tat. Deren moralische Rechtfertigung einer zusätzlichen Tötung und dem Leid etwaiger Angehöriger ebenfalls zweifelhaft erscheint. Abgesehen von Irrtümern, Ungleichbehandlung bei der Urteilssprache gegenüber Rasse, Etnie oder Religion; oder gar dem Zustandekommen eines solchen Urteils durch unfaire Verfahren, offenbaren gerade die Anwendung der Todesstrafe, wie auch die Einschränkung von Menschenrechten oder Pressefreiheit grundsätzliche Misstände einer Politik oder eines Staates. Dessen grundlegende Instabilität und oft auch Überforderung eines Regimes.

Es bleibt immer noch viel zu tun im Kampf gegen die Todesstrafe bei Staaten welche diese aus historischen Gründen bisher nicht abgelegt haben. Gegen ihre Wiedereinführung, gerade wenn durch die Diskussion etwa in der Türkei banalisierend damit provoziert wird, oder gar dafür demnächst geworben werden sollte.

Weitere Informationen:

https://www.welt.de/politik/ausland/article163606516/Vier-Laender-verantworten-90-Prozent-der-Hinrichtungen.htmlhttps://todesstrafe-nachrichten.jimdo.com/archiv-suche/april-2017/https://todesstrafe-nachrichten.jimdo.com/

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s