Die Gretchenfrage

Unsere Gretchenfrage wurde überzeugend beantwortet.

AMNESTY INTERNATIONAL, Gruppe Luzern

Wir wissen es wahrscheinlich noch aus der Schulzeit: J.W. v. Goethe lässt in seiner Tragödie Faust I die bescheidene junge Frau Margarete, genannt Gretchen, dem weltmännischen Heinrich Faust im entscheidenden Moment ihrer Begegnung die Frage stellen:

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

Amnesty International nun arbeitet strikt unabhängig von politischen und religiösen Bekenntnissen. Hier stellt sich die Gretchenfrage anders: „Nun sag, wie hast du‘s mit den Menschenrechten?“.

Religion und Menschenrechte – vielleicht ein Widerspruch?

Mitnichten! Dass sich eine weltoffen gelebte Religiosität und ein gezieltes Engagement für die Menschenrechte gegenseitig nicht ausschliessen, sondern erfolgreich ergänzen können, haben wir am Sonntag, den 4. November 2018 am Vormittag in der Reformierten Kirche Sarnen überzeugend erfahren.

„Zur Freiheit berufen“ war das Thema des Gottesdienstes, an den uns Pfarrer Michael Candrian und Chordirigent Erwin Mattmann eingeladen hatten. Die Kirche war fast bis auf den letzten Platz besetzt, als Gefangenlieder von J.S. Bach, G. Verdi und L. v. Beethoven erklangen. Sie gaben auch unserem Einsatz für die Menschenrechte einen stimmigen Rahmen.

Wir erhielten eine Plattform von fünfzehn Minuten, um über die weltweiten Aktivitäten von Amnesty International zu referieren und aufzuzeigen, wie unsere Organisation in einer ganz konkreten willkürlichen Gefangennahme eines Unschuldigen – wir wählten den Blogger Mahadine im Tschad – eine Freilassung erreicht hat. Und wir waren spürbar willkommen, als wir die Anwesenden baten, Briefe gegen das Vergessen zu unterzeichnen, um junge Mädchen in Burkina Faso vor Zwangsverheiratung zu schützen – eine Art familiärer Gefangennahme.

Wir waren gerne an diesem kirchlichen Anlass dabei, denn auch die sorgsam ausgewählten Texte und Kirchenlieder griffen das Thema einer ungerechten Gefangenschaft auf und wurden in der Predigt zu überzeugenden Aussagen über die menschliche Freiheit verdichtet.

Amnesty International war in Sarnen herzlich willkommen – das zeigte sich nicht nur bei der Unterschriftensammlung für die jungen Mädchen in Burkina Faso, sondern auch beim Kerzenverkauf, bei den spontanen Geldspenden und bei der Höhe der eingenommenen Kollekte. Und so ganz nebenbei haben wir auch in persönlichen Gesprächen nach dem Gottesdienst für ein Nein gegen die gefährliche Selbstbestimmungsinitiative der SVP werben können …

„Wie also hast du es mit den Menschenrechten?“ Die Frage ist zur grossen Zufriedenheit beantwortet. Menschenrechte sind ein zutiefst christliches Anliegen. Wir würden unsererseits gerne zu einer weiteren Zusammenarbeit einladen, denn Sie, liebe Pfarreimitglieder in Sarnen, und wir von Amnesty International – wir wollen grundsätzlich dasselbe: Menschenrechte. Weltweit. Für alle.

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